Artikel 2 in der Serie Perimenopause, Burnout & Nervensystem
Live lecture on March 31st (online): Perimenopause Beyond Hormones – How Stability Shifts And How It Can Be Restored
Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, gestörter Schlaf, verringerte Beanspruchbarkeit … die Symprome (und Zustände) überschneiden sich. Und wir bemerken: etwas hat sich an der Kapazität verändert. Die Meisten in ihren Dreißigern und Vierzigern werden irgendeine Version davon kennen. Im Wesentlichen ist es ein diagnostisches Problem: zum einen, weil die Symptome von Burnout und Perimenopause auf den ersten Blick fast identisch sind, und zum anderen, weil Perimenopause im Gesundheitssystem, in der öffentlichen Wahrnehmung und in den Medien nach wie vor erheblich unterrepräsentiert und fehlgedeutet ist. Weniger bekannte Symptome, wie z.B. erhöhter Herzschlag, Erschöpfung oder mysteriöse Muskelschmerzen, lassen erst einmal gar nicht an Perimenopause denken.
Burnout erkennen wir inzwischen als gemeinsamen Nenner für scheinbar unzusammenhängende Symptome. Das haben wir bezüglich Perimenopause noch nicht gelernt.
Burnout ist im Kern, dass das Nervensystem unter einer chronisch zu hohen Last zusammenbricht. Perimenopause ist im Kern, dass die Sexualhormonpegel plötzlich zu schwanken beginnen. Perimenopause-Burnout ist im Kern, dass das Nervensystem zusammenbricht, weil ein schwankendes Hormonsystem den Puffer entfernt oder erheblich reduziert hat, der dafür notwendig war, eine hohe chronische Last zu ertragen.
Wo sich Burnout und Perimenopause strukturell unterscheiden, ist auf der Ebene von Ursache und Reaktion. Burnout entsteht in Bezug auf eine Situation: ein Umfeld, eine Last, eine anhaltende Anforderung, die die Kapazität übersteigt. Und er verbessert sich, wenn sich diese Situation ändert, sowohl praktisch als auch psychologisch (wenn du weißt, dass du an den Arbeitsplatz zurückkehren musst, der den Burnout verursacht hat, kannst du dich nicht richtig erholen, denn das Nervensystem fürchtet dann bereits die Rückkehr an diesen Arbeitsplatz).
Perimenopause folgt keiner solchen situativen Logik. Unabhängig vom Umfeld produziert sie einen Cluster[ ] von Verschiebungen, die sich durch Ruhe nicht auflösen lassen, egal wie lang diese Ruhe ist.
Burnout oder Perimenopause – wie unterscheiden?
Wenn Ruhe nicht mehr so erholsam ist wie früher, bedeutet das wahrscheinlich, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat, und dass Maßnahmen gefragt sind, die über Ruhe hinausgehen.
Ein Gedankenexperiment: Wenn dein primärer Stressauslöser über Nacht verschwinden würde, z.B. durch einen Lottogewinn, oder dass eine schwierige Beziehung sich plötzlich in 100% zugewandte Unterstützung verwandelt,… was auch immer deine Version wäre von „Problem beendet“ – könntest du dich dann innerhalb weniger Wochen erholen?
Falls ja, ist Burnout wahrscheinlich zumindest ein mitwirkender Faktor.
Falls andererseits deine Situation und dein Umfeld aber völlig in Ordnung sind, und du trotzdem das Gefühl hast, dass sich etwas Unidentifizierbares in deinem System verändert hat, deutet das eher auf Perimenopause hin. Dass bereits medizinische Untersuchungen stattfanden, ob etwas anderes physilogisches der Auslöser sein könnte, vorausgesetzt.
Was ist mit Option c: die Situation ist nicht in Ordnung, und es gibt noch dazu eine neue, seltsame Verränderung?
In dem Fall wäre zu prüfen ob beides zugleich aufgetreten ist, Perimenopause und Burnout. Sie gehen leider nicht selten miteinander einher, besonders bei Menschen mit hoher Belastbarkeit und hoher Selbstständigkeit, und noch mehr, wenn diese als Reaktion auf Marginalisierung entwickelt wurden.
Was tun?
Das kommt darauf an. Burnout erfordert in erster Linie, den Stressor zu entfernen und die Erholung des Nervensystems zu unterstützen. Perimenopause, und jede andere Phase, profitiert natürlich auch von gründlichem Stressabbau. Allerdings erfordert Perimenopause darüber hinaus auch, dass Lifestyle und Rhythmus grundlegend angepasst werden. Für nachhaltige Gesundheit, um das Nervensystem auf einem Niveau zu halten, das nicht „angespannt aber irgendwie ok reguliert“ ist, sondern wirklich ausgeglichen. Und medizinische wie therapeutische Unterstützung gehört mit in die Überlegung dazu.
Perimenopause ist eine Transition über mehrere Jahre hindurch. Anders als Burnout löst sie sich nicht durch eine Erholungsphase auf. Sie lässt sich am sinnvollsten als Phase betrachten, die eine Strategie erfordert, statt als „Problem“, das eine „Lösung“ braucht.
Mindestens genauso dringend und wichtig wie eine präzise Diagnose ist die Frage, ob deine aktuelle generelle ‚Funktionsweise‘ (Tagesablauf-und-Gedanken-Autopilot-Einstellung) überhaupt nachhaltig ist. Erlaubt sie es dir wirklich ausgeglichen zu sein? Das zu prüfen, lohnt, vor allem, wenn du dabei nicht minimierst, was gerade vor sich geht, und nicht erwartest, dass es sich von selbst auflöst. Ob du mit dem veränderten Zustand aktiv in Dialog gehst und ihn als Einladung nimmst, auf deinen Körper und die Körper-Geist-Verbindung zu hören, hat erheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf. Das ist jetzt nicht als Ablenkung oder toxische Positivität gemeint (‚denk dich doch mal enstpannt’), sondern als Untersuchung, ob es sein könnte, dass es eine eingebaute Bereitschaft zu Stress-Akzeptanz gibt, oder zum Ignorieren körperlicher Signale. Solche Voreinstellungen müsste nun nämlich, mitfühlsam, neu arrangiert werden.
Eine Verschiebung der Energie um das Vierzigste Lebensjahr herum bedeutet nicht, dass das Ende deiner Kapazität naht. Sie bedeutet, dass der bisherige Ansatz nicht mehr ganz so passt.
Weiterlesen in der Serie Perimenopause, Burnout & Nervensystem:
Video of this article (english)
Video Playlist on Perimenopause, Burnout and Nervous System (english)
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