Navaratri (wörtl.: neun Nächte) ist die Zeit, in der die vielfältigen Formen von Devī, von Lalitā über Durgā bis hin zu Kālī, gefeiert und gewertschätzt werden. Zu Navaratri wird Chanting üblicherweise intensiviert und noch mehr ritualisiert als sonst.
Für Menschen, die es satt haben, wenn Religion Frauen unterwürfig und gefällig möchte, eine besondere Einladung: Nichtdualistisch gesehen, ist Devī lebendige Manifestation des einen Bewusstseins. Ritualistisch gesehen (und diese beiden schließen sich keinesfalls aus), ist sie Diejenige, die Grenzen zieht, Zorn als heilige Waffe führt wenn ihre Kollegen nicht abliefern, und die sich keiner vereinfachenden Deutung unterwirft. Sie wird nicht für ihre Güte verehrt, obwohl sie gütig ist. Sie wird für ihre Macht verehrt, für ihre Fähigkeit, Zerstörerisches zu zerstören, eingeschlossen die Furcht selbst. Frechheitskonstrukte „idealer Weiblichkeit“ zerschellen direkt an ihrer Komplexität, die Wut, Ausuferung und Schutz einschließt.
Die Hymne Devī Māhātmyam beschreibt ihre wohwollende Brutalität in aller denkbaren und undenkbaren Ausführlichkeit. Die furchtbaren und großartigen Aspekte der Göttin sind weder als moralisch zu verstehen noch als ‚mütterlich‘ sich hinzudeuten, noch als „Gegenpol“ zu Sanftmut und Güte. Sie sind Ausdruck derselben Wahrheit. Devi ist vollständig und jedenfalls weit jenseits unserer Kategorien. Und weil sie das Ganze ist, hat sie auch nichts zu verlieren. In diesem Sinne:
Programm: Live Stream; 19.-27. März.
Herzliche Einladung:
Täglich per Youtube Livestream: youtube.com/@PranavaChanting

Täglich morgens um 7 Uhr Sri Lalita Sahasranama, die tausend Namen der Göttin Lalita Tripurasundari
Täglich abends um 17 Uhr verschiedene Vedische und Puranische Hymnen / Lobgesänge auf Formen und Aspekte von Devi (Medhā Sūktam, Durgā Sūktam, usw.).
Zugang: offene Rezitation
Alle sind eingeladen, als Übung (für die, die mit-chanten), Klangbad, Meditation oder Kontemplation.
Lalitā Sahasranāma: Tausend Namen
Jeden Morgen um 7 Uhr chanten wir die kunstvoll gewobenen tausend Namen der Lalita Tripurasundari. Die Hymne ist puranisch und gehört zum Shakta Tantra. Sie beschreibt, wie die Göttin erscheint, was sie alles kann, ihre kosmologischen Funktionen, und ihre Natur als Bewusstsein selbst. Besonders erfreut das Herz, dass die Hymne dualistisch und Nichtdualistisch zugleich ist. Beschreibungen ihrer Power, Taten und Attribute, münden immer wieder in Namen, die sie als die darstellen, die alles durchwirkt; aus deren Spiel heraus wir Schöpfung wahrnehmen.
Devī-Stutis: Hymnen an die Unfassbaren
Um 17 Uhr , verschiedene kürzere Hymnen zur Lobpreisung diverser weiterer Formen von Devī.
Über das Chanten
Traditionelles Chanten in Sanskrit ist eine Kunstform, die durch das Hören einfach zugänglich ist. Es hat eine Sofortwirkung, die Worte nicht gut beschreiben können ( und das auch nicht müssen). Der Begriff dafür ist sāttvika: auflösend, reinigend von innerer Dissonanz, erhebend in jedem Wortsinn.
Die Regeln für Chanting sind mathematisch, tonal und teils auch rituell. Grammatik und Śikṣā (Lautlehre, Regeln für korrekte Aussprache und Betonung) sind präzise Systeme, die die Bedingungen für die unverzerrte Weitergabe im Prinzp schon in sich selbst beinhalten. Wie tausende Jahre mündliche Überlieferung möglich wurde, erschließt sich durch das Verständnis der Metriken, Dramaturgien und Zitationsrhythmen der großen Vedischen Hymnen untereinander.
Chanting und Singen haben wenig miteinander zu tun. Singen ist, gut klingen zu wollen. Chanting ist, mit der Mutter zu sprechen. Chanting ist frei von Aufgesetztem, Performance, Bemühen um schönen Ton. Es ist so authentisch, unmittelbar und ungeschützt wie ein Protestruf; im Tempel auch gerne recht laut. In seiner Ausdrucksweise liegt Chanting tatsächlich näher an Metal als an sonstigen Gesängen, minus der Absicht, etwas vermitteln zu wollen. Es ist idealerweise nur Ausdruck, der durch Regeln nur eben präzise eingefasst ist.
Mehr über Vedisches Chanting vielleicht in zukünftigen Beiträgen.
Parayana bedeutet eine vollständige Rezitation; eine Form hingebungsvoller und/oder kontemplativer Praxis. In manchen Traditionen gilt das Chanting des Sahasranama als in sich abgeschlossene Praxis. In vielen Ashrams und Tempeln ist es regelmäßiger Teil des Programms.
Aber Antworten liegen sowieso nicht in Worten, sondern in Erfahrung. Dazu sei Navaratri eine Gelegenheit. Ich wünsche schöne Feiertage!
